Unsere “Galle”

Die Gallenblase befindet sich im rechten Oberbauch, direkt an der Leber. Sie speichert Galle aus der Leber und dickt sie ein. Auf bestimmte Reize wird diese Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase über die Gallenwege in den Zwölffingerdarm geleitet. Dort hilft sie, Fette aus der Nahrung zu spalten und aufzunehmen. Damit hat sie eine große Bedeutung für unsere Verdauung. Eingriffe an der Gallenblase zählen zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Pro Jahr werden daran etwa 170.000 Frauen und Männer operiert. Der Grund ist meist, dass Gallensteine Beschwerden oder Folgeerkrankungen verursacht haben. Oft sind sie aber harmlos; viele Menschen haben Gallensteine, ohne etwas davon zu merken. Treten Beschwerden auf, stellt sich die Frage, ob nur die Symptome behandelt oder operiert werden soll.

Gallenerkrankungen erkennen und verstehen

Es gibt gut- und bösartige Erkrankungen der Gallenblase. Die häufigste Erkrankung stellt das Gallensteinleiden dar, welches mit oder ohne Entzündungen der Gallenblase auftreten kann. Gallensteine entstehen bei einem Ungleichgewicht der einzelnen Komponenten der Gallenflüssigkeit. Besonders gut lassen sich die Gallensteine während einer Ultraschall-Untersuchung des Bauches erkennen. Hier verursachen sie einen sogenannten „Schallschatten“. Befinden sich ein oder mehrere Steine in der Gallenblase sprechen wir von einer Cholezystolithiasis. Findet man Steine im Gallengang, sprechen wir von einer Choledocholithiasis.

Außerdem ist es möglich, dass im Rahmen von Vorsorge- oder Routineuntersuchungen gutartige Tumoren (Polypen) und bösartige Tumoren der Gallenblase entdeckt werden.

Die Krebserkrankung der Gallenblase behandeln wir interdisziplinär. Für eine leitliniengerechte, aber auch individuelle Therapie besprechen wir diese Fälle im Rahmen der wöchentlichen Tumorkonferenzen mit unseren Internist_innen sowie externen Patholog_innen und Onkolog_innen. Die wohnortnahe Behandlung erfolgt dann gemeinsam mit onkologischen Fachärzt_innen aus der Region.

Vom Stein zur Kolik - krampfartige, wellenförmige Schmerzen

Die in der Gallenblase gespeicherte Galle ist eine inhomogene Flüssigkeit und es kann zu Ablagerungen und Steinbildung in der Gallenblase kommen. Diese können die Gallenblase reizen oder auch den Abfluss aus der Gallenblase blockieren und es kommt zu den typischen kolikartigen Beschwerden. Bei einer Gallengangsentzündung gelangen Gallensteine aus der Gallenblase über den Ductus cysticus (Gallenblasengang) in den Ductus choledochus (großer Gallengang aus der Leber). auch hier leiden die Patient_innen unter starken, wellenförmigen, krampfartigen Schmerzen, in der Regel im rechten Oberbauch. Zusätzlich kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Nicht selten kommt es oberhalb des Steines zu einem Galleaufstau. Im Extremfall kann die Galle über längere Zeit nicht mehr abfließen. Eine sog. Gelbsucht (Ikterus) kann die Folge sein.

Da sich der große Gallengang kurz vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm mit dem Gang der Bauchspeicheldrüse vereinigt, kann auch ein Aufstau der Bauchspeicheldrüsen-Flüssigkeit durch einen Gallenstein entstehen und so eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen.

Der richtige Zeitpunkt für eine Gallen-Operation

Gallenblasensteine können nicht nur einen Galleaufstau verursachen sondern auch Grund für eine (akute/chronische) Entzündung sein (Cholezystitis). Besteht also ein schmerzhaftes Gallensteinleiden, sollte die Gallenblase operativ entfernt werden. Mit einer isolierten Behandlung der allensteine lässt sich die Erkrankung nicht dauerhaft behandeln. Es gibt drei Zeitpunkte für die Entfernung:

  • Notfall bei akuter Entzündung mit möglicherweise sogar schon beginnender Sepsis
  • Frühelektiv (innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn)
  • Elektiv (geplant im entzündungsfreien Intervall)

Wie läuft die Operation ab?

Das Standardverfahren der Cholezystektomie (vollständige Entnahme der Gallenblase) ist heutzutage die “laparoskopische” Entfernung, d.h. minimalinvasiv oder auch Schlüssellochchirurgie genannt. Die Operation findet unter Vollnarkose statt.

Nachdem die Bauchhöhle mit Gas (CO2) aufgepumpt wurde, werden vier Arbeitshülsen durch die Bauchdecke eingebracht. Diese verfügen über Ventile, so dass über die Hülsen eine Kamera und verschiedene Instrumente eingeschoben werden können, ohne dass die Luft aus dem Bauchraum entweicht. So kann unter sehr guter Sicht (HD-Kamera) die Gallenblase der Leber herausgeschält werden, nachdem die versorgende Arterie und der Gallenblasengang mit kleinen Clips verschlossen und durchtrennt wurden.

Die Gallenblase wird dann in einem Bergebeutel über den Zugang am Oberbauch entfernt. 

Ihre Vorteile eines minimal-invasiven Eingriffs

In Ausnahmefällen (bei zum Beispiel schwersten Verwachsungen aufgrund von Voroperationen oder starker Entzündung) kann der Eingriff nicht minimalinvasiv durchgeführt werden und es muss ein Bauchschnitt im rechten Oberbauch erfolgen.

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