Arbeiten in christlicher Verantwortung - So helfen wir

Richtlinie für das Diakoniewerk Bethel und seine Unternehmensbeteiligungen

Einleitung

1. Zielsetzung

„Das Diakoniewerk Bethel bezeugt mit seinem Dienst Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift.“
Leitgedanke Diakoniewerk Bethel

Der besondere kirchlich-diakonische Auftrag des Diakoniewerkes Bethel und seiner Unternehmensbeteiligungen will konkret und all tags­praktisch ausgestaltet und umgesetzt sein. Diese Richtlinie will der Gestaltung einen Rahmen geben, innerhalb dessen sichergestellt wird, dass Auftrag und Anspruch des Diakoniewerkes Bethel in seinen Betrieben spürbar und sichtbar werden.

2. Grundlagen

Als Grundlagen für die Erstellung dieser Richtlinie wurden u. a. herangezogen:

- Gesellschaftsvertrag Diakoniewerk Bethel
- Unternehmensleitbild
- Seelsorgeleitbild
- Pflegeleitbild
- Leben und Arbeiten – Leitungs­- und Führungsgrundsätze
   im Diakoniewerk Bethel
- Leitbild Diakonie
- Bundesrahmenhandbuch Diakoniesiegel Pflege

3. Handhabung der Richtlinie durch die Betriebe

Die Richtlinie „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ gilt verbindlich für alle Betriebe des Diakoniewerkes Bethel.

Auf der Basis der Richtlinie formulieren Hauptgeschäftsführung (HG) bzw. Geschäftsführung der Servicegesellschaften (GFSG) entsprechend dem Grundsatz „Die christliche Verantwortung liegt vor Ort“ ihr eigenes betriebsspezifisches Konzept zur Ausgestaltung und Umsetzung des Arbeitens in christlicher Verantwortung im Betrieb.

Die angewandte Gliederungssystematik ist auch dem betriebsspe­zifischen Konzept zugrunde zu legen. In der Richtlinie behandelte Themenbereiche, welche auf den Einrichtungstyp nicht zutreffen, werden bei der Erstellung des betriebsspezifischen Konzeptes ausgelassen.

A Leitbild Seelsorge

1. Seelsorge hat Tradition.

1.1. Die Aufgabe der christlichen Gemeinde, sich im Namen Jesu Christi den Notleidenden und Kranken zuzuwenden, hat zur Gründung der Bethel­-Schwesternschaft im Jahre 1887 geführt und ist in der Geschichte des Werkes bestimmend geblieben. Im Gesellschaftsvertrag des Werkes heißt es: „Das Diakoniewerk Bethel bezeugt in seiner Arbeit die Liebe Gottes zur Welt in Jesus Christus und nimmt sich besonders der Men­schen in leiblicher Not, in seelischer Bedrängnis und in sozial benachtei­ligten Verhältnissen an.“
1.2. Bethel heißt „Haus Gottes“. In der Bibel wird mit „Bethel“ ein Ort be­nannt, an dem einem Menschen Gottes Nähe in besonderer Weise bewusst wurde. Das Diakoniewerk Bethel will ein Raum sein, in dem die Liebe Gottes als Hilfe zum Leben durch Menschen erfahren wird.
1.3. Das Handeln Jesu Christi ist Vorbild und Maßstab, wie dem Menschen helfend zu begegnen ist. Darum ist unser Handeln Dienst an Leib, Seele und Geist.
1.4. Damit erfüllt das Diakoniewerk Bethel seine Aufgaben gemäß der Ziel­setzung des Bundes Evangelisch­-Freikirchlicher Gemeinden („Rechen­schaft vom Glauben“).

2. Seelsorge gehört untrennbar zum christlichen Leben.

2.1. Wenn Menschen an Christus glauben und mit ihm leben, entsteht und bewährt sich Anteilnehmen am Leben des anderen Menschen.
2.2. „Seele“ bedeutet nach biblischem Verständnis „Leben“. Darum verste­hen wir die Seelsorge als wichtige Hilfe, die der Mensch erhält. Diese Ausrichtung der Arbeit wird von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbei­tern mitgetragen und gefördert.
2.3. Wir arbeiten in einem Klima gegenseitiger Wertschätzung.
2.4. Mit Schuld und Fehlern gehen wir offen um. Wir wissen um Gottes Vergebung, die persönliche Verantwortung nicht ausschließt.

3. Seelsorge arbeitet professionell.

3.1. Der Dienst der Seelsorge wird professionell gestaltet. Dabei bedeutet Seelsorge professionelles Handeln aller daran Mitarbeitenden.
3.2. Wir beauftragen und befähigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem seelsorgerlichen Umgang mit den uns anvertrauten Menschen.
3.3. Seelsorgerliche Hilfe kann auch von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Anspruch genommen werden.

4. Seelsorge geschieht in Zusammenarbeit.

4.1. Menschen, die besondere Zuwendung oder Begleitung brauchen,  sind im Blick. Alle Berufsgruppen arbeiten dabei eng zusammen.
4.2. Wir stellen uns berufsübergreifend ethischen Fragestellungen in Veran­staltungen und Fortbildungen.
4.3. Wir arbeiten mit Ehrenamtlichen zusammen. Wir schätzen ihre Mit­arbeit, begleiten sie und sorgen für Bildungsangebote.
4.4. Wir sind ökumenisch ausgerichtet und pflegen die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.
4.5. Wir akzeptieren jeden Menschen in seiner religiösen Freiheit. Auf Wunsch benachrichtigen wir Geistliche anderer Konfessionen, Glau­bensgemeinschaften und Religionen.

5. Seelsorge ist immer konkret.

5.1. Wir treffen auf Menschen in vielfältigen Krisensituationen. Menschen haben Verluste und Einschränkungen zu verarbeiten, erleben sich als orientierungslos, fühlen sich isoliert und haben Angst. Manche müssen sich mit ihrer plötzlichen Hilfsbedürftigkeit oder der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen.
5.2. Wir begleiten die uns anvertrauten Menschen in der Auseinanderset­zung mit ihrer Situation, in den Bezügen zu sich, zu ihren Mitmenschen, zu ihrer Umwelt und zu Gott.
5.3. Wenn uns die Not eines Menschen oder die spezielle Lebenssituation überfordert, lassen wir uns helfen.
5.4. Wir geben die gute Nachricht von der Liebe Gottes und seiner Nähe weiter. Das geschieht u. a. mit Gebeten, Liedern, Meditationen und  Segensformen.
5.5. Neben der persönlichen Begleitung gestalten wir Andachten und Gottes­dienste.
5.6. Wir gestalten den Abschied von Verstorbenen in würdiger Weise.
5.7. Angehörigen bieten wir Hilfe an.
5.8. Seelsorge findt in geeigneter Form ihren Niederschlag in unseren Dokumentationssystemen. Das Beichtgeheimnis ist gewahrt.
5.9. Wir überprüfen regelmäßig die Qualität unseres seelsorgerlichen  Handelns und arbeiten an Verbesserungen.

B Rahmenkonzept
„Arbeiten in christlicher Verantwortung"

1. Kompetenz und Verantwortung der Führungskräfte

„Das Handeln Jesu Christi ist Vorbild und Maßstab, wie dem Menschen helfend zu begegnen ist.“
Leitbild Seelsorge

In besonderer Weise sind unsere Führungskräfte verantwortlich für das Arbeiten in christlicher Verantwortung. Sie sind den nachgeordneten  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vorbild.

Wir erwarten daher von unseren Führungskräften, dass sie selbst aktiv das diakonische Profil ihres Betriebes förden und gestalten.

Über das kirchlich­-diakonische wie auch über das seelsorgerliche  Verständnis des Diakoniewerkes Bethel sind sie jederzeit auskunftsfähig und vermitteln ihr Wissen an ihre Belegschaft.

Die Führungskräfte überprüfen regelmäßig persönlich die Umsetzung des Leitbildes der Seelsorge und dieses Rahmenkonzeptes (siehe auch 14).

Hauptgeschäftsführung bzw. Geschäftsführung der Servicegesellschaften berichten unaufgefordert und regelmäßig dem Gesellschafter.

2. Klima gegenseitiger Wertschätzung

„Wir arbeiten in einem Klima gegenseitiger Wertschätzung.“
Leitbild Seelsorge

Gelebte Seelsorge wird – auch über den Glauben hinaus – gegenüber den von uns Betreuten erkennbar, sei es durch persönliche Zuwen­dung, die liebevolle Geste oder das Zulassen körperlicher Nähe.

Wertschätzung und Respekt prägen das Miteinander in der Mitarbei­terschaft wie auch zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten.

Achtung vor der Persönlichkeit und Respekt drücken sich auch im sprachlichen Umgang aus.

3. Erscheinungsbild des Hauses

Erscheinungsbild des Hauses, Ausstattung, Angebotsdarstellung
„Bethel heißt „Haus Gottes“. In der Bibel wird „Bethel“ als ein Ort benannt, an dem einem Menschen Gottes Nähe in besonderer Weise bewusst wurde. Das Diakoniewerk Bethel will ein Raum sein, in dem die Liebe Gottes als Hilfe zum Leben durch Menschen erfahren wird.“
Leitbild Seelsorge

An der Gestaltung der Verkehrsflächen und Zimmer wird die kirchlich­-diakonische Prägung deutlich.

Unsere Leitbilder werden gut sichtbar und an verschiedenen Stellen im Betrieb ausgehängt.

Jedes Zimmer wird mit einem Neuen Testament ausgestattet (z. B. in Zusammenarbeit mit dem Gideonbund).

Die kirchlich-­diakonischen Angebote werden umfänglich und ansprechend in einer Angebotsübersicht dargestellt und zentral sowie auf Stationen und in Wohnbereichen ausgehängt. Bettlägerige erhalten die Angebotsdarstellung ans Bett.

Auf Angebote, die einen besonderen Stellenwert haben könnten (z. B. Festgottesdienste), wird zusätzlich gesondert hingewiesen, beispielsweise durch separate Aushänge oder Faltblätter.

Namen von Seelsorgenden, Telefonnummern, Sprechzeiten, Raumnummern, ggf. Wegbeschreibungen werden in den Informationsmaterialien des Betriebes ausgewiesen und zusätzlich zentral, auf Stationen und in Wohnbereichen und ggf. vor dem Seelsorgebüro ausgehängt. Für Faltblätter, Broschüren, Material der Gemeinden etc. wird ausreichend Platz, z. B. durch Halterungen, geschaffen.

Nicht jeder Betrieb hat die Möglichkeit, separate Räumlichkeiten (wie Kapelle, Andachtsraum, Büro) für seelsorgerliche Aufgaben vorzuhalten. Für den Fall, dass kein separater Raum verfügbar ist, werden an dieser Stelle die Gestaltung der Räumlichkeiten, die technische Ausstattung etc. beschrieben.

Wünschenswert ist eine Übertragungsanlage, mit Hilfe derer Andachten und Gottesdienste in die Zimmer übertragen werden können.

Ein Grundbestand an Fachliteratur zur Überprüfung und Weiterentwicklung des Wissensstandes ist allen Mitarbeitenden zugänglich. Auch schriftliche Grundinformationen über die Diakonie sowie über das Diakoniewerk Bethel (Ursprung, Ziele und Aufgaben) sind jederzeit einzusehen. Eine Luther­-Bibel und ein Gesangbuch (Feiern und Loben – zusätzlich je nach Region ein evangelisches und/oder katho­lisches Gesangbuch) werden in jedem Bereich vorgehalten. Bibeln und Gesangbücher werden mit Einlageblättern o. Ä. ausgestattet, die einen Schnellzugriff auf besonders geeignete Texte und Lieder ermöglichen.

Jegliche Literatur wird in der Literaturliste des Betriebes erfasst.

Utensilien zur Gestaltung eines würdigen Abschiedes von Verstorbenen liegen auf Stationen und in Wohnbereichen bereit (siehe auch 9).

Ein Verzeichnis der im Umfeld des Betriebes bestehenden Beratungsangebote (damit Mitarbeitende weiterführende Hilfe anbieten oder diese selbst in Anspruch nehmen können) und eine Liste der zuständigen pastoral und seelsorgerlich Tätigen werden leicht zugänglich vorgehalten.

4. Personal und Professionalität

„Der Dienst der Seelsorge wird in Bethel professionell gestaltet. Dabei bedeutet Seelsorge professionelles Handeln aller daran Mitarbeitenden.“
Leitbild Seelsorge

Alle im Betrieb Mitarbeitenden sind im Sinne der Leitungs-­ und Führungsgrundsätze und des Leitbildes Seelsorge an der Gestaltung des Arbeitens in christlicher Verantwortung beteiligt.

Wo besondere fachliche Kompetenz in der Seelsorge erforderlich ist, können zusätzlich tätig werden:
• Hauptberufliche
• Nebenberufliche
• Ehrenamtliche
• Beauftragungen

Personalbedarfe werden dem Gesellschafter/Vorstand bei der jährlichen Vorlage des Haushaltsplans angezeigt. Entstehende Personalkosten sind durch den Betrieb zu finanzieren und müssen durch entsprechende Erträge gedeckt sein.

5. Ehrenamtliche

„Wir arbeiten mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Wir schätzen ihre Mitarbeit, begleiten sie und sorgen für Bildungsangebote.“
Leitbild Seelsorge

Auf die Möglichkeit ehrenamtlicher Mitarbeit wird u. a. bei Angehörigen und Bezugspersonen der uns anvertrauten Menschen aufmerksam gemacht. Entsprechende Hinweise werden auch in der Öffentlichkeit gegeben.

Ein schriftliches Konzept zur Gewinnung und Betreuung von Ehrenamtlichen ist im Betrieb vorhanden. Es beschreibt auch ihre Aufgaben und die Zusammenarbeit von Haupt­ und Ehrenamt. Es regelt versicherungsrechtliche Fragen und die Erstattung von Aufwendungen oder Auslagen.

Ehrenamtliche werden in ihrem Dienst professionell angeleitet und begleitet, ggf. durch einführende Fortbildung und durch kontinuierliche Supervision, je nach Erfordernis (siehe 6). Beratung und Seelsorge sind für Ehrenamtliche zugänglich.

Die besondere Situation der Ehrenamtlichen wird immer wieder thematisiert, so dass sie sich akzeptiert und anerkannt fühlen. Ihren Anregungen wird Raum gegeben. Der Transport der von ihnen erhobenen Informationen in die Teams der hauptberuflichen Mitarbeiterschaft wird gewährleistet.

6. Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

„Wir beauftragen und befähigen unsere Mitarbeiter zu einem seelsorgerlichen Umgang mit Patienten und Bewohnern den von uns anvertrauten Menschen.“
Leitbild Seelsorge

Die Qualifizierng von Mitarbeitenden in der Seelsorge ist für die gelungene Umsetzung wesentlich.

Das Leitbild der Seelsorge und die sich aus dem Leitbild ergebenden Werte sind allen im Betrieb Mitarbeitenden bekannt. Der Text wird ihnen nachweislich ausgehändigt.

Das Thema „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ ist Bestandteil von Vor­- und Einstellungsgesprächen, der individuellen Einarbeitung nach Einstellung und (sofern vorhanden) von Einführungsseminaren (siehe auch Text „Einführung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das DwB“). Im Alltag, in den laufenden Dienstbesprechungen sowie in Personalgesprächen wird es immer wieder aufgenommen. Eine offene Aussprache wird ermöglicht.

Mitarbeitenden in den medizinischen/pflegeischen Bereichen wird vermittelt, dass die Bereitschaft zur Wahrnehmung seelsorgerlicher Auf­gaben von ihnen erwartet wird. Sie sollen über Grundkenntnisse in Be­zug auf das Führen von Gesprächen mit religiösen Inhalten verfügen. Hierauf wird auch in den Stellenbeschreibungen Bezug genommen.

Der Zugang zu Materialien (siehe auch 3) und der Umgang mit densel­ben wird so einfach wie möglich gemacht. Die Handhabung wird immer wieder erläutert und geübt.

Die Teilnahme an Angeboten, die der Auseinandersetzung mit dem diakonischen Profil bzw. der Weiterentwicklung der Seelsorgekompetenz dienen, wird gefördert. Wenn erforderlich, wird kontinuierliche Supervision angeboten bzw. die Teilnahme an Supervision zur Voraus­setzung für die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben gemacht.

Je nach Bedarf kann der Betrieb ausschließlich auf eine breite Mitarbeiterqualifikation setzen oder zusätzlich Spezialisten für besondere Bedarfe vorhalten (z. B. Weiterqualifizierung in der Sterbebegleitung oder Angehörigenberatung).

Wünschenswerterweise sind einige Mitarbeitende für die Durchführung von Andachten qualifiziert.

7. Interdisziplinäre Integration von Seelsorge

„Menschen, die besondere Zuwendung oder Begleitung brauchen, sind im Blick. Alle Berufsgruppen arbeiten dabei eng zusammen.“
Leitbild Seelsorge

Seelsorge wird innerhalb der Organisationsstruktur des Betriebes interdisziplinär eingebunden. Die Zusammenarbeit von Seelsorgenden mit besonderer fachlicher Kompetenz im Sinne der Ziffer 4 dieses Rahmenkonzeptes (Personal und Professionalität) mit allen anderen an Therapie, Pflege und Betreuung beteiligten Berufsgruppen wird gestaltet und gefördert.

In der Seelsorge Tätige erhalten Hinweise auf Menschen, die Begleitung, Klärung oder Kontakt bedürfen, bzw. den Hinweis auf Sterbende, die besondere Zuwendung brauchen. Zeitkorridore für die individuellen seelsorgerlichen Tätigkeiten am Bett werden vorgesehen.
 
Bei der Bearbeitung ethischer Fragestellungen werden Seelsorgende eingebunden. Sie wirken bei Veranstaltungen und Fortbildungen mit. Zu Besprechungsterminen (z. B. Fallbesprechungen, Ethik-Komitee), bei denen ethische Fragestellungen behandelt werden (z. B. chronisches Kranksein, Behinderung, Ernährung via PEG, Unheilbarkeit, Angemessenheit von Therapie: Behandlungseinschränkung oder  -­verzicht, Palliativmedizin, Vorausverfügungen), werden sie eingeladen.

Darüber hinaus finden regelmäßige Besprechungstermine mit der Ärzteschaft und mit Pflegekräften statt, damit notwendige Absprachen getroffen werden können. Seelsorgende nehmen nach Bedarf an Fallbesprechungen und Qualitätszirkeln teil.

Es wird festgelegt, welche vertraulichen Unterlagen durch Seelsorgende eingesehen werden dürfen. Weiterhin wird beschrieben und vermittelt, in welchen Situationen Seelsorgende mit besonderer fachlicher Kompetenz (siehe Ziffer 4) eingeschaltet werden müssen.

8. Angebote für die uns anvertrauten Menschen

„Wir begleiten die uns anvertrauten Menschen in der Auseinandersetzung mit ihrer Situation, in den Bezügen zu sich, zu ihren Mitmenschen, zu ihrer Umwelt und zu Gott.“
Leitbild Seelsorge

Spirituelle Bedürfnisse der uns anvertrauten Menschen werden individuell ermittelt und berücksichtigt. Es ist geregelt, durch wen und in welchem Rahmen diese Bedürfnisse erfasst werden. Die Dokumentation erfolgt in der Behandlungsakte.

Zu den kirchlich­-diakonischen Angeboten gehören u. a.

• Andachten
• Gottesdienste, zu besonderen Anlässen festlich gestaltet
• Besuchsdienste (z. B. durch Ehrenamtliche)
• das Angebot zum Krankenabendmahl zu Hause oder im Zimmer
• Krankenhausbesuche
• seelsorgerliche Begleitung in Krisensituationen

Besonders ist darauf zu achten, dass auch Bettlägerige erreicht werden.

Unsere Belegschaft wird angehalten, im Kontakt mit den von uns betreuten Menschen die jeweils geeignete Form zu finden: z. B. ein seelsorgerliches Gespräch zu führen, einen meditativen Text vorzulesen, ein Gebet zu sprechen oder ein Lied zu singen.

Alle Menschen in unserer Obhut erfahren Hilfestellungen für die Teilnahme an kirchlichen Angeboten, z. B. durch die mündliche Erinnerung an Angebote oder durch Transport­ und Begleitdienste.

Ergänzend stehen Angebote für Angehörige und andere Bezugspersonen (z. B. persönliche Beratung, Gruppentreffen) zur Verfügung.

9. Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden

Wir treffen auf Menschen in vielfältigen Krisensituationen. Menschen haben Verluste und Einschränkungen zu verarbeiten, erleben sich als orientierungslos, fühlen sich isoliert und haben Angst. Manche müssen sich mit ihrer plötzlichen Hilfsbedürftigkeit oder der eigenen Sterblich­keit auseinandersetzen.“
Leitbild Seelsorge

Es wird darauf geachtet, dass Gespräche über Schwerkranke und Sterbende in offener und würdevoller Atmosphäre stattfinden.

Mitarbeitende werden auf die Begleitung Sterbender vorbereitet. Spezielle Fortbildungs­ und Qualifizierungsmöglichkeiten werden für Einzelne erschlossen, die sich hierauf besonders konzentrieren sollen. In der Sterbe­ und Trauerbegleitung Tätigen wird Beratung, Seelsorge und/oder Supervision angeboten.

Räumlichkeiten, in denen sich Schwerkranke oder Sterbende befinden, werden so gestaltet, dass die individuelle Begegnung und Geborgenheit gefördert wird. Gedämpftes Licht, eine angenehme Raumatmosphäre, keine stark riechenden Blumen und Lärmschutz gehören zu möglichen Maßnahmen. Wenn möglich, erfolgt die Unterbringung in einem Einzelzimmer.

Die Wünsche der Sterbenden (z. B. Sterben in der gewohnten Umgebung) werden erfasst (schriftliche Dokumentation) und unterstützt.

Christliche Sterbe-­ und Trauerrituale und eine Einbeziehung der Heimatgemeinde werden ermöglicht. Andere religiöse Kulturen und Rituale werden respektiert, auf Wunsch wird Kontakt zu entsprechenden Einrichtungen bzw. Geistlichen vermittelt.

Eine optimale medizinische und pflegerische Versorgung wird unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Palliativmedizin und Hospizarbeit gewährleistet. Die Gründung von Hospizgruppen im Umfeld der Einrichtung wird unterstützt, mit bereits bestehenden Hospizgruppen wird kontinuierlich kooperiert. Die Einbeziehung Ehrenamtlicher in die Sterbe­- und Trauerbegleitung erfolgt bei Eignung.

Der Besonderheit dementiell erkrankter Sterbender wird Rechnung getragen: Nicht der kognitive Aspekt steht hier im Vordergrund. Es werden die Sinne angesprochen, und auf der Basis der Biografiearbeit wird versucht, positive Erinnerungen hervorzurufen.

Auch die Menschen im direkten Umfeld des Sterbenden werden in den Prozess des Abschiednehmens einbezogen. Sie finden Trost und Unterstützung.

Das Ritual für die Aussegnung Verstorbener ist schriftlich niedergelegt und wird der Mitarbeiterschaft vermittelt. Gleiches gilt für die Pflege und Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden (auch nachts) und Maßnahmen im Todesfall.

Die Gestaltung des Abschiedes von Verstorbenen erfolgt in würdiger Form. Im Heim Verstorbene werden in der Wohngruppe verabschiedet. Für Angehörige im Heim Verstorbener finden speziell gestaltete Gottesdienste statt.

10. Angebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Seelsorgerliche Hilfe kann auch von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Anspruch genommen werden.“
Leitbild Seelsorge

Mitarbeitenden wird die Möglichkeit gegeben, seelsorgerliche Begleitung, vor allem auch in persönlichen Krisensituationen, zu erfahren. Dies kann, sofern vorhanden, über hauptberuflich Seelsorgende erfolgen, ansonsten über ehrenamtliche oder ergänzende Angebote, z. B. durch Kooperation mit Partnergemeinden.

Es ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Klärung betrieblicher Probleme keine Seelsorgeangelegenheit ist.

Mitarbeitenden wird die Teilnahme an Andachten und Gottesdiensten, die im Haus stattfinden, ermöglicht.

Alle Mitarbeitenden erhalten ein Neues Testament (z. B. in Zusammenarbeit mit dem Gideonbund).

11. Ökumenische Zusammenarbeit

Wir sind ökumenisch ausgerichtet und pflegen die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.“
Leitbild Seelsorge

Mit der ortsansässigen evangelisch-­freikirchlichen Gemeinde wie auch mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften wird im Sinne der ökumenischen Zusammenarbeit kooperiert. Die Kontaktpflege erfolgt z. B. durch Besuche in den Gemeinden, durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch oder durch gemeinsame Projekte.

Kirchengemeindliche Aktivitäten werden in die Angebotsgestaltung des Betriebes integriert. Auch die Gestaltung von Andachten und Gottesdiensten erfolgt in ökumenischer Zusammenarbeit.

Über Veranstaltungen der Gemeinden, die in das Interessengebiet der von uns betreuten Menschen fallen könnten, wird informiert, z. B. durch Auslage oder Weiterleitung des Gemeindebriefes.

Individuell gewünschte Seelsorgende werden benachrichtigt.

12. Öffentlichkeitsarbeit

Wir geben die gute Nachricht von der Liebe Gottes und seiner Nähe weiter.“
Leitbild Seelsorge

Mit den uns anvertrauten Menschen, ihren Angehörigen oder anderen Bezugspersonen wird das Seelsorgeverständnis in Gesprächen thematisiert.

In der Öffentlichkeit, z. B. in Gesprächen mit Multiplikatoren und Entscheidern aus Politik und Gesellschaft, bei redaktionellen Beiträgen für Zeitungen oder Zeitschriften, bei werblichen Darstellungen oder bei Stellenausschreibungen wird darauf geachtet, dass die diakonische Qualität des Betriebes erkennbar wird. Gleiches gilt für die Darstellung des Betriebes im Internet.

Auf die Möglichkeit der ehrenamtlichen Mitarbeit wird in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht.

13. Dokumentation

Seelsorge findet in geeigneter Form ihren Niederschlag in unseren Dokumentationssystemen. Das Beichtgeheimnis ist gewahrt.“
Leitbild Seelsorge

Die Dokumentation seelsorgerlich relevanter Inhalte findet in der Behandlungsakte statt. Sie beginnt bei der administrativen Aufnahme und geht über die (biografische) Anamnese bis hin zur Berücksichtigung seelsorgerlicher Themen bei der Therapie-­ und Pflegeplanung.

Auch die erfolgte Teilnahme an Angeboten, von der Einzelbetreuung bis hin zur kirchlich-­diakonischen Veranstaltung, wird in der Behandlungsakte erfasst. Dabei wird die Dokumentation bei kürzeren Aufenthalten, z. B. im Krankenhaus, weniger umfassend ausfallen können als bei konstanter Betreuung über längere Zeiträume.

Bei Gesprächen gilt grundsätzlich das Beichtgeheimnis. Unter dessen Respektierung erfolgt jedoch die Dokumentation und Weitergabe von Gesprächsinhalten, die für die ganzheitliche Versorgung relevant sind, in der Behandlungsakte. Fällt das Gespräch gänzlich unter das Beichtgeheimnis, erfolgt lediglich die Dokumentation, dass ein Gespräch stattgefunden hat.

14. Qualitätsmanagement

Wir überprüfen regelmäßig die Qualität unseres seelsorgerlichen Handelns und arbeiten an Verbesserungen.“
Leitbild Seelsorge

Die Umsetzung des Leitbildes der Seelsorge und dieses Rahmenkonzeptes wird regelmäßig überprüft. Hierfür werden im Betrieb geeignete Instrumente entwickelt. Die Ergebnisse werden dokumentiert, um Schlussfolgerungen abzuleiten und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses tätig zu werden.

Hierzu gehört auch die regelmäßige Erhebung und Auswertung der Erfahrungen der uns anvertrauten Menschen, von Angehörigen und anderen Bezugspersonen sowie von Mitarbeitenden. Dies kann z. B.  im Rahmen von Befragungen geschehen.

Es wird eruiert, ob und in welchem Maße die seelsorgerlichen Angebote in Anspruch genommen werden und ob Seelsorge als entlastendes Moment empfunden wird. Wenn kein guter Zuspruch erfolgt, werden die Angebote hinterfragt und ggf. Veränderungen eingeleitet.

Ergebnisse qualitätssichernder Maßnahmen werden in geeigneter Form dargestellt und zunächst auf Führungsebene, dann in der Mitarbeiterschaft kommuniziert.

Schlussgedanken
Leben und Arbeiten in Bethel sollen den biblischen Grundaussagen über den Menschen und über den Dienst am Menschen entsprechen“
Leitungs- und Führungsgrundsätze Diakoniewerk Bethel

Mit dieser Richtlinie „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ gibt der Vorstand des Diakoniewerkes Bethel seinen Betrieben eine Anleitung an die Hand, die zum Besten der uns anvertrauten Menschen angewandt werden möge.

Berlin, den 11. Juli 2017

Vorstand