Arbeiten in christlicher Verantwortung - So helfen wir

Richtlinie für das Diakoniewerk Bethel und seine Unternehmensbeteiligungen

Einleitung

1. Zielsetzung

„Das Diakoniewerk Bethel bezeugt mit seinem Dienst Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift.“
Satzung Diakoniewerk Bethel

Der besondere kirchlich-diakonische Auftrag der Diakoniewerk Bethel gemeinnützige GmbH und ihrer Unternehmensbeteiligungen will konkret und alltagspraktisch ausgestaltet und umgesetzt sein. Diese Richtlinie will der Gestaltung einen Rahmen geben, innerhalb dessen sichergestellt wird, dass Auftrag und Anspruch des Diakoniewerkes Bethel in seinen Betrieben spürbar und sichtbar werden.

2. Grundlagen

Als Grundlagen für die Erstellung dieser Richtlinie wurden u. a. herangezogen:

  • Gesellschaftsvertrag Diakoniewerk Bethel
  • Leben und Arbeiten – Leitungs- und Führungsgrundsätze im Diakoniewerk Bethel
  • Leitbild Diakonie
  • Bundesrahmenhandbuch Diakoniesiegel Pflege

3. Handhabung der Richtlinie durch die Betriebe

Die Richtlinie „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ gilt verbindlich für alle Betriebe des Diakoniewerkes Bethel. Sie enthält das Leitbild Seelsorge und das Rahmenkonzept „Arbeiten in christlicher Verantwortung“.

Das Leitbild Seelsorge (Teil A) wird für die Verwendung im Betrieb dem Einrichtungstyp entsprechend sprachlich angepasst: In Krankenhäusern und in der ambulanten Pflege sprechen wir von Patienten, in der stationären Pflege von Bewohnern. Ansonsten bleibt der Wortlaut des Leitbildes erhalten.

Auf der Basis des Rahmenkonzeptes (Teil B) formulieren Hauptgeschäftsführer (HG) bzw. Geschäftsführer der Servicegesellschaften (GFSG) entsprechend dem Grundsatz „Die christliche Verantwortung liegt vor Ort“ ihr eigenes betriebsspezifisches Konzept zur Ausgestaltung und Umsetzung des Arbeitens in christlicher Verantwortung im Betrieb.

Die unter B angewandte Gliederungssystematik ist auch dem betriebsspezifischen Konzept zugrunde zu legen. Im Rahmenkonzept behandelte Themenbereiche, welche auf den Einrichtungstyp nicht zutreffen, werden bei der Erstellung des betriebsspezifischen Konzeptes ausgelassen.

Die gewählte Sprachform gilt jeweils für Frauen und Männer.

A Leitbild Seelsorge

1. Seelsorge hat Tradition.

1.1. Die Aufgabe der christlichen Gemeinde, sich im Namen Jesu Christi den Notleidenden und Kranken zuzuwenden, hat zur Gründung der Bethel-Schwesternschaft im Jahre 1887 geführt und ist in der Geschichte des Werkes bestimmend geblieben. Im Gesellschaftsvertrag des Werkes heißt es, dass das Diakoniewerk Bethel in seiner Arbeit die Liebe Gottes zur Welt in Jesus Christus bezeugt und sich besonders der Menschen in leiblicher Not, in seelischer Bedrängnis und in sozial benachteiligten Verhältnissen annimmt.
1.2. Bethel heißt „Haus Gottes“. In der Bibel wird mit „Bethel“ ein Ort benannt, an dem einem Menschen Gottes Nähe in besonderer Weise bewusst wurde. Das Diakoniewerk Bethel will ein Raum sein, in dem die Liebe Gottes als Hilfe zum Leben durch Menschen erfahren wird.
1.3. Das Handeln Jesu Christi ist Vorbild und Maßstab, wie dem Menschen helfend zu begegnen ist. Darum ist unser Handeln Dienst an Leib, Seele und Geist.
1.4. Damit erfüllt das Diakoniewerk Bethel seine Aufgaben gemäß der Zielsetzung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden („Rechenschaft vom Glauben“).

2. Seelsorge gehört untrennbar zum christlichen Leben.

2.1. Wenn Menschen an Christus glauben und mit ihm leben, entsteht und bewährt sich Anteilnehmen am Leben des anderen Menschen.
2.2. „Seele“ bedeutet nach biblischem Verständnis „Leben“. Darum verstehen wir die Seelsorge als wichtige Hilfe, die der Mensch erhält. Diese Ausrichtung der Arbeit wird von unseren Mitarbeitern mitgetragen und gefördert.
2.3. Wir arbeiten in einem Klima gegenseitiger Wertschätzung.
2.4. Mit Schuld und Fehlern gehen wir offen um. Wir wissen um Gottes Vergebung, die persönliche Verantwortung nicht ausschließt.

3. Seelsorge arbeitet professionell.

3.1. Der Dienst der Seelsorge wird professionell gestaltet. Dabei bedeutet Seelsorge professionelles Handeln aller daran Mitarbeitenden.
3.2. Wir beauftragen und befähigen unsere Mitarbeiter zu einem seelsorgerlichen Umgang mit Patienten und Bewohnern.
3.3. Seelsorgerliche Hilfe kann auch von unseren Mitarbeitern in Anspruch genommen werden.

4. Seelsorge geschieht in Zusammenarbeit.

4.1. Menschen, die besondere Zuwendung oder Begleitung brauchen, sind im Blick. Die Mitarbeiter aller Berufsgruppen arbeiten dabei eng zusammen.
4.2. Wir stellen uns berufsübergreifend ethischen Fragestellungen in Veranstaltungen und Fortbildungen.
4.3. Wir arbeiten mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Wir schätzen ihre Mitarbeit, begleiten sie und sorgen für Bildungsangebote.
4.4. Wir sind ökumenisch ausgerichtet und pflegen die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.
4.5. Wir akzeptieren Patienten, Bewohner und Mitarbeiter in ihrer religiösen Freiheit. Auf Wunsch benachrichtigen wir Geistliche anderer Konfessionen, Glaubensgemeinschaften und Religionen.

5. Seelsorge ist immer konkret.

5.1. Wir treffen auf Menschen in vielfältigen Krisensituationen. Menschen haben Verluste und Einschränkungen zu verarbeiten, erleben sich als orientierungslos, fühlen sich isoliert und haben Angst. Manche müssen sich mit ihrer plötzlichen Hilfsbedürftigkeit oder der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen.
5.2. Wir begleiten Patienten und Bewohner in der Auseinandersetzung mit ihrer Situation, in den Bezügen zu sich, zu ihren Mitmenschen, zu ihrer Umwelt und zu Gott.
5.3. Wenn uns die Not eines Menschen oder die spezielle Lebenssituation überfordert, lassen wir uns helfen.
5.4. Wir geben die gute Nachricht von der Liebe Gottes und seiner Nähe weiter. Das geschieht u. a. mit Gebeten, Liedern, Meditationen und Segensformen.
5.5. Neben der persönlichen Begleitung gestalten wir Andachten und Gottesdienste.
5.6. Wir gestalten den Abschied von Verstorbenen in würdiger Weise.
5.7. Angehörigen von Patienten und Bewohnern bieten wir Hilfe an.
5.8. Seelsorge findet in geeigneter Form ihren Niederschlag in unseren Dokumentationssystemen. Das Beichtgeheimnis ist gewahrt.
5.9. Wir überprüfen regelmäßig die Qualität unseres seelsorgerlichen Handelns und arbeiten an Verbesserungen.

B Rahmenkonzept
„Arbeiten in christlicher Verantwortung"

1. Kompetenz und Verantwortung der Führungskräfte

„Das Handeln Jesu Christi ist Vorbild und Maßstab, wie dem Menschen helfend zu begegnen ist.“
Leitbild Seelsorge

In besonderer Weise sind unsere Führungskräfte verantwortlich für das Arbeiten in christlicher Verantwortung. Sie sind den nachgeordneten Mitarbeitern Vorbild.

Wir erwarten daher von unseren Führungskräften, dass sie selbst aktiv das diakonische Profil ihres Betriebes fördern und gestalten.

Über das kirchlich-diakonische wie auch über das seelsorgerliche Verständnis des Diakoniewerkes Bethel sind sie jederzeit auskunftsfähig und vermitteln ihr Wissen an ihre Mitarbeiter.

Die Führungskräfte überprüfen regelmäßig persönlich die Umsetzung des Leitbildes der Seelsorge und dieses Rahmenkonzeptes (siehe auch 14).

Der Hauptgeschäftsführer bzw. Geschäftsführer der Servicegesellschaften berichtet unaufgefordert und regelmäßig gegenüber dem Gesellschafter/Vorstand (siehe auch Berichtsstruktur Lagebericht).

2. Klima gegenseitiger Wertschätzung

„Wir arbeiten in einem Klima gegenseitiger Wertschätzung.“
Leitbild Seelsorge

Gelebte Seelsorge wird – auch über den Glauben hinaus – erkennbar, gegenüber Patienten und Bewohnern durch persönliche Zuwendung, die liebevolle Geste oder Zulassen körperlicher Nähe.

Wertschätzung und Respekt prägen das Miteinander in der Mitarbeiterschaft wie auch zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten.

Achtung vor der Persönlichkeit und Respekt drücken sich auch im sprachlichen Umgang aus.

3. Erscheinungsbild des Hauses

Erscheinungsbild des Hauses, Ausstattung, Angebotsdarstellung
„Bethel heißt „Haus Gottes“. In der Bibel wird „Bethel“ als ein Ort benannt, an dem einem Menschen Gottes Nähe in besonderer Weise bewusst wurde. Das Diakoniewerk Bethel will ein Raum sein, in dem die Liebe Gottes als Hilfe zum Leben durch Menschen wird.“
Leitbild Seelsorge

An der Gestaltung der Verkehrsflächen und Zimmer wird die kirchlich-diakonische Prägung deutlich.

Das Leitbild der Seelsorge wird gut sichtbar und an verschiedenen Stellen im Betrieb ausgehängt.

Jedes Patienten-/Bewohnerzimmer wird mit einem Neuen Testament ausgestattet (z. B. in Zusammenarbeit mit dem Gideonbund).

Die kirchlich-diakonischen Angebote werden umfänglich und ansprechend in einer Angebotsübersicht dargestellt und zentral sowie auf Stationen und Wohnbereichen ausgehängt. Bettlägerige erhalten die Angebotsdarstellung ans Bett.

Auf Angebote, die einen besonderen Stellenwert für Patienten und Bewohner haben könnten (z. B. Festgottesdienste), wird zusätzlich gesondert hingewiesen, beispielsweise durch separate Aushänge oder Faltblätter.

Namen von Seelsorgern, Telefonnummern, Sprechzeiten, Raumnummern, ggf. Wegbeschreibungen werden in den Informationsmaterialien des Betriebes ausgewiesen und zusätzlich zentral, auf Stationen und in Wohnbereichen und ggf. vor dem Büro des Seelsorgers ausgehängt. Für Faltblätter, Broschüren, Material der Gemeinden etc. wird
ausreichend Platz, z. B. durch Halterungen, geschaffen.

Nicht jeder Betrieb hat die Möglichkeit, separate Räumlichkeiten (wie Kapelle, Andachtsraum, Büro) für seelsorgerliche Aufgaben vorzuhalten. Für den Fall, dass kein separater Raum verfügbar ist, werden an dieser Stelle die Gestaltung der Räumlichkeiten, die technische Ausstattung etc. beschrieben.

Wünschenswert ist eine Übertragungsanlage, mit Hilfe derer Andachten und Gottesdienste in die Zimmer übertragen werden können.

Ein Grundbestand an Fachliteratur zur Überprüfung und Weiterentwicklung des Wissensstandes ist für die Mitarbeiter zugänglich. Auch schriftliche Grundinformationen über die Diakonie sowie über das Diakoniewerk Bethel (Ursprung, Ziele und Aufgaben) sind für Mitarbeiter jederzeit einzusehen.

Eine Luther-Bibel und ein Gesangbuch (Feiern und Loben – zusätzlich je nach Region ein evangelisches und/oder katholisches Gesangbuch) werden in jedem Bereich vorgehalten. Bibeln und Gesangbücher werden mit Einlageblättern o. Ä. ausgestattet, die Mitarbeitern einen Schnellzugriff auf besonders geeignete Texte und Lieder ermöglichen.

Jegliche Literatur wird in der Literaturliste des Betriebes erfasst.

Utensilien zur Gestaltung eines würdigen Abschiedes von verstorbenen Patienten und Bewohnern liegen auf Stationen und in Wohnbereichen bereit (siehe auch 9).

Ein Verzeichnis der im Umfeld des Betriebes bestehenden Beratungsangebote (damit Mitarbeiter weiterführende Hilfe anbieten oder diese selbst in Anspruch nehmen können) und eine Liste der zuständigen Pastoren/Pfarrer und Seelsorger werden für die Mitarbeiter leicht zugänglich vorgehalten.

4. Personal und Professionalität

„Der Dienst der Seelsorge wird in Bethel professionell gestaltet. Dabei bedeutet Seelsorge professionelles Handeln aller daran Mitarbeitenden.“
Leitbild Seelsorge

Alle Mitarbeiter des Betriebes sind im Sinne der Leitungs- und Führungsgrundsätze und des Leitbildes Seelsorge an der Gestaltung des Arbeitens in christlicher Verantwortung beteiligt.

Wo besondere fachliche Kompetenz erforderlich ist, können zusätzliche Seelsorger tätig werden. Dies kann geschehen über

• hauptberufliche Seelsorger
• nebenberufliche Seelsorger
• ehrenamtliche Seelsorger
• Beauftragungen.

Personalbedarfe werden dem Gesellschafter/Vorstand bei der jährlichen Vorlage von Stellen- und Haushaltsplan angezeigt. Entstehende Personalkosten sind durch den Betrieb zu finanzieren und müssen grundsätzlich durch entsprechende Erträge gedeckt sein.

Betriebe in dauerhaft schwieriger wirtschaftlicher Lage (Nehmerbetriebe) können bei schlüssigem Konzept dem Gesellschafter/Vorstand in Abstimmung mit den anderen Betrieben (Geberbetriebe) der Bethel-Gruppe Vorschläge unterbreiten, ob sie von dort neben fachlichem und organisatorischem Rat auch finanzielle Unterstützung annehmen dürfen (gelebte Solidarität der Bethel-Gruppe).

Diesbezügliche Zuwendungen sind als „verlorene Zuschüsse“ zu gewähren, müssen auf Nehmer- und Geberseite hinsichtlich ihrer steuerlichen Zuordnung jeweils den Vorschriften der Abgabenordnung entsprechen und bedürfen eindeutiger, verbindlicher Willenserklärungen der HG/GL der gebenden und der nehmenden Betriebe.

Entsprechende Verträge dürfen nur dann abgeschlossen werden, wenn jeweils für die beteiligten Betriebe ein hiermit korrespondierender Gesellschafter- bzw. Vorstandsbeschluss vorliegt. Das wirtschaftliche Risiko trägt der Geberbetrieb in alleiniger Verantwortung.

5. Mitarbeiter im Ehrenamt

„Wir arbeiten mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Wir schätzen ihre Mitarbeit, begleiten sie und sorgen für Bildungsangebote.“
Leitbild Seelsorge

Auf die Möglichkeit ehrenamtlicher Mitarbeit wird u. a. bei Angehörigen und Bezugspersonen von Patienten und Bewohnern aufmerksam gemacht. Entsprechende Hinweise werden auch in der Öffentlichkeit gegeben.

Ein schriftliches Konzept zur Gewinnung und Betreuung von ehrenamtlichen Mitarbeitern ist im Betrieb vorhanden. Es beschreibt auch die Aufgaben der ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Zusammenarbeit von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen. Es regelt versicherungsrechtliche Fragen und die Erstattung von Aufwendungen oder Auslagen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter werden in ihrem Dienst professionell angeleitet und begleitet, ggf. durch einführende Fortbildung und durch kontinuierliche Supervision, je nach Erfordernis (siehe 6). Beratung und Seelsorge sind für Ehrenamtliche zugänglich.

Die besondere Situation der Ehrenamtlichen wird immer wieder thematisiert, so dass sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter akzeptiert und anerkannt fühlen. Anregungen und Bedürfnissen der ehrenamtlichen Mitarbeiter wird Raum gegeben. Der Transport der von ihnen erhobenen Informationen in die Teams der hauptberuflichen Mitarbeiter wird gewährleistet.

6. Qualifizierung der Mitarbeiter

„Wir beauftragen und befähigen unsere Mitarbeiter zu einem seelsorgerlichen Umgang mit Patienten und Bewohnern.“
Leitbild Seelsorge

Die Qualifizierung der nichtprofessionellen Mitarbeiter ist für die gelungene Umsetzung wesentlich.

Das Leitbild der Seelsorge und die sich aus dem Leitbild ergebenden Werte sind allen Mitarbeitern im Betrieb bekannt. Der Text wird allen Mitarbeitern nachweislich ausgehändigt.

Das Thema „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ ist Bestandteil von Vor- und Einstellungsgesprächen, der individuellen Einarbeitung neuer Mitarbeiter und (sofern vorhanden) von Einführungsseminaren für neue Mitarbeiter (siehe auch Text „Einführung neuer Mitarbeiter in das DwB“). Im Alltag, in den laufenden Dienstbesprechungen sowie in Mitarbeitergesprächen wird es immer wieder aufgenommen. Eine offene Aussprache wird ermöglicht.

Mitarbeitern der medizinischen/pflegerischen Bereiche wird vermittelt, dass die Bereitschaft zur Wahrnehmung seelsorgerlicher Aufgaben von ihnen erwartet wird. Sie sollen über Grundkenntnisse in Bezug auf das Führen von Gesprächen mit religiösen Inhalten verfügen. Hierauf wird auch in den Stellenbeschreibungen Bezug genommen.

Der Zugang zu Materialien (s. a. 3) und der Umgang mit denselben wird Mitarbeitern so einfach wie möglich gemacht. Die Handhabung wird immer wieder erläutert und geübt.

Die Teilnahme von Mitarbeitern an Angeboten, die der Auseinandersetzung mit dem diakonischen Profil bzw. der Weiterentwicklung der Seelsorgekompetenz dienen, wird gefördert. Wenn erforderlich, wird kontinuierliche Supervision für Mitarbeiter angeboten bzw. die Teilnahme an Supervision zur Voraussetzung für die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben gemacht.

Je nach Bedarf kann der Betrieb ausschließlich auf eine breite Mitarbeiterqualifikation setzen oder zusätzlich Spezialisten für besondere Bedarfe vorhalten (z. B. Weiterqualifizierung in der Sterbebegleitung oder Angehörigenberatung).

Wünschenswerterweise sind einige Mitarbeiter für die Durchführung von Andachten qualifiziert.

7. Interdisziplinäre Integration von Seelsorge

„Menschen, die besondere Zuwendung oder Begleitung brauchen, sind im Blick. Die Mitarbeiter aller Berufsgruppen arbeiten dabei eng zusammen.“
Leitbild Seelsorge

Seelsorge wird innerhalb der Organisationsstruktur des Betriebes interdisziplinär eingebunden. Die Zusammenarbeit der Seelsorger mit besonderer fachlicher Kompetenz im Sinne der Ziffer 4 dieses Rahmenkonzeptes (Personal und Professionalität) mit allen anderen an Therapie, Pflege und Betreuung beteiligten Berufsgruppen wird gestaltet und gefördert.

In der Seelsorge tätige Mitarbeiter erhalten Hinweise auf Menschen, die Begleitung, Klärung oder Kontakt bedürfen, bzw. den Hinweis auf Sterbende, die besondere Zuwendung brauchen. Zeitkorridore für die individuellen seelsorgerlichen Tätigkeiten am Bett werden vorgesehen.

Bei der Bearbeitung ethischer Fragestellungen werden Seelsorger eingebunden. Sie wirken bei Veranstaltungen und Fortbildungen mit. Zu Besprechungsterminen (z. B. Fallbesprechungen, Ethik-Komitee), bei denen ethische Fragestellungen behandelt werden (z. B. chronisches Kranksein, Behinderung, Ernährung via PEG, Unheilbarkeit,
Angemessenheit von Therapie: Behandlungseinschränkung oder -verzicht, Palliativmedizin, Vorausverfügungen) werden sie eingeladen.

Darüber hinaus finden regelmäßige Besprechungstermine mit Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften statt, damit notwendige Absprachen getroffen werden können. Seelsorger nehmen nach Bedarf an Fallbesprechungen und Qualitätszirkeln teil.

Es wird festgelegt, welche patienten- bzw. bewohnerbezogenen Unterlagen durch Seelsorger eingesehen werden dürfen. Weiterhin wird beschrieben und vermittelt, in welchen Situationen ein voll ausgebildeter Seelsorger eingeschaltet werden muss.

8. Angebote für Patienten und Bewohner

„Wir begleiten Patienten und Bewohner in der Auseinandersetzung mit ihrer Situation, in den Bezügen zu sich, zu ihren Mitmenschen, zu ihrer Umwelt und zu Gott.“
Leitbild Seelsorge

Spirituelle Bedürfnisse von Patienten und Bewohnern werden individuell ermittelt und berücksichtigt. Es ist geregelt, durch wen und in welchem Rahmen diese Bedürfnisse erfasst werden. Die Dokumentation erfolgt in der Patienten-/Bewohnerakte.

Zu den kirchlich-diakonischen Angeboten für Patienten und Bewohner gehören u. a.

• Andachten
• Gottesdienste, zu besonderen Anlässen festlich gestaltet
• Besuchsdienste (z. B. durch Ehrenamtliche)
• das Angebot zum Krankenabendmahl zu Hause oder im Zimmer
• der Besuch von Bewohnern, die im Krankenhaus liegen
• seelsorgerliche Begleitung in Krisensituationen

Besonders ist darauf zu achten, dass auch bettlägerige Patienten und Bewohner erreicht werden.

Mitarbeiter werden angehalten, im Kontakt mit Patienten und Bewohnern die jeweils geeignete Form zu finden: z. B. ein seelsorgerliches Gespräch zu führen, einen meditativen Text vorzulesen, ein Gebet zu sprechen oder ein Lied zu singen.

Patienten und Bewohner erfahren Hilfestellungen für die Teilnahme an kirchlichen Angeboten, z. B. durch die mündliche Erinnerung an Angebote oder durch Transport- und Begleitdienste.

Ergänzend stehen Angebote für Angehörige und Betreuer (z. B. persönliche Beratung, Angehörigengruppen) zur Verfügung.

9. Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden

„Wir treffen auf Menschen in vielfältigen Krisensituationen. Menschen haben Verluste und Einschränkungen zu verarbeiten, erleben sich als orientierungslos, fühlen sich isoliert und haben Angst. Manche müssen sich mit ihrer plötzlichen Hilfsbedürftigkeit oder der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen.“
Leitbild Seelsorge

Es wird darauf geachtet, dass Gespräche über Schwerkranke und Sterbende in offener und würdevoller Atmosphäre stattfinden.

Mitarbeiter werden auf die Begleitung Sterbender vorbereitet. Spezielle Fortbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten werden für Mitarbeiter erschlossen, die sich hierauf besonders konzentrieren sollen. Mitarbeitern in der Sterbe- und Trauerbegleitung wird Beratung, Seelsorge und/oder Supervision angeboten.

Räumlichkeiten, in denen sich Schwerkranke oder Sterbende befinden, werden so gestaltet, dass die individuelle Begegnung und Geborgenheit gefördert wird. Gedämpftes Licht, eine angenehme Raumatmosphäre, keine stark riechenden Blumen und Lärmschutz gehören zu möglichen Maßnahmen. Wenn möglich, erfolgt die Unterbringung in einem Einzelzimmer.

Die Wünsche des Sterbenden (z. B. Sterben in der gewohnten Umgebung) werden durch die Mitarbeiter aufgenommen (schriftliche Dokumentation) und unterstützt.

Christliche Sterbe- und Trauerrituale und eine Einbeziehung der Heimatgemeinde werden ermöglicht. Andere religiöse Kulturen und Rituale werden respektiert, auf Wunsch wird Kontakt zu entsprechenden Einrichtungen bzw. Geistlichen vermittelt.

Eine optimale medizinische und pflegerische Versorgung wird unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Palliativmedizin und Hospizarbeit gewährleistet. Die Gründung von Hospizgruppen im Umfeld der Einrichtung wird unterstützt, mit bereits bestehenden Hospizgruppen wird kontinuierlich kooperiert. Die Einbeziehung ehrenamtlicher Mitarbeiter in die Sterbe- und Trauerbegleitung erfolgt bei Eignung.

Der Besonderheit dementiell erkrankter Sterbender wird Rechnung getragen: Nicht der kognitive Aspekt steht hier im Vordergrund. Es werden die Sinne angesprochen, und auf der Basis der Biografiearbeit wird versucht, positive Erinnerungen hervorzurufen.

Andere Bewohner und Angehörige werden in den Prozess des Abschiednehmens einbezogen. Sie finden Trost und Unterstützung.

Das Ritual für die Aussegnung Verstorbener ist schriftlich niedergelegt und wird den Mitarbeitern vermittelt. Gleiches gilt für Pflege und Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden (auch nachts) und Maßnahmen im Todesfall.

Die Gestaltung des Abschiedes von Verstorbenen erfolgt in würdiger Form. Verstorbene Bewohner werden in der Wohngruppe verabschiedet. Für Angehörige verstorbener Bewohner finden speziell gestaltete Gottesdienste statt.

10. Angebote für Mitarbeiter

„Seelsorgerliche Hilfe kann auch von unseren Mitarbeitern in Anspruch genommen werden.“
Leitbild Seelsorge

Mitarbeitern wird die Möglichkeit gegeben, seelsorgerliche Begleitung, vor allem auch in persönlichen Krisensituationen, zu erfahren. Dies kann, sofern vorhanden, über den hauptberuflichen Seelsorger erfolgen, ansonsten über ehrenamtliche oder ergänzende Angebote, z. B. durch Kooperation mit Partnergemeinden.

Es ist hierbei zu berücksichtigen, dass Seelsorge für Mitarbeiter nicht die Aufgaben eines Vorgesetzten oder die einer Mitarbeitervertretung erfüllen kann. Die Klärung betrieblicher Probleme ist keine Seelsorgeangelegenheit.

Mitarbeitern wird die Teilnahme an Andachten und Gottesdiensten, die im Haus stattfinden, ermöglicht.

Jeder Mitarbeiter erhält ein Neues Testament (z. B. in Zusammenarbeit mit dem Gideonbund).

11. Ökumenische Zusammenarbeit

„Wir sind ökumenisch ausgerichtet und pflegen die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften.“
Leitbild Seelsorge

Mit der ortsansässigen evangelisch-freikirchlichen Gemeinde wie auch mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften wird im Sinne der ökumenischen Zusammenarbeit kooperiert. Die Kontaktpflege erfolgt z. B. durch Besuche in den Gemeinden, durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit Pfarrern und Pastoren oder durch gemeinsame Projekte.

Kirchengemeindliche Aktivitäten werden in die Angebotsgestaltung des Betriebes integriert. Auch die Gestaltung von Andachten und Gottesdiensten erfolgt in ökumenischer Zusammenarbeit.

Über Veranstaltungen der Gemeinden, die in das Interessengebiet der Patienten bzw. Bewohner fallen könnten, wird informiert, z. B. durch Auslage oder Weiterleitung des Gemeindebriefes.

Von Patienten und Bewohnern individuell gewünschte Pastoren/Pfarrer oder Seelsorger werden benachrichtigt.

12. Öffentlichkeitsarbeit

„Wir geben die gute Nachricht von der Liebe Gottes und seiner Nähe weiter.“
Leitbild Seelsorge

Mit Patienten und Bewohnern, Angehörigen, Betreuern etc. wird das Seelsorgeverständnis in Gesprächen thematisiert.

In der Öffentlichkeit, z. B. in Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft, bei redaktionellen Beiträgen für Zeitungen oder Zeitschriften, bei werblichen Darstellungen oder bei Stellenausschreibungen wird darauf geachtet, dass die diakonische Qualität des Betriebes erkennbar wird. Gleiches gilt für die Darstellung des Betriebes im Internet.

Auf die Möglichkeit der ehrenamtlichen Mitarbeit wird in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht.

13. Dokumentation

„Seelsorge findet in geeigneter Form ihren Niederschlag in unseren Dokumentations-systemen. Das Beichtgeheimnis ist gewahrt.“
Leitbild Seelsorge

Die Dokumentation seelsorgerlich relevanter Inhalte findet in der Patienten- bzw. Bewohnerakte statt. Sie beginnt bei der administrativen Aufnahme und geht über die (biografische) Anamnese bis hin zur Berücksichtigung seelsorgerlicher Themen bei der Therapie- und Pflegeplanung.

Auch die erfolgte Teilnahme an Angeboten, von der Einzelbetreuung bis hin zur kirchlich-diakonischen Veranstaltung, wird in der Patienten- bzw. Bewohnerakte erfasst. Dabei wird die Dokumentation bei kürzeren Aufenthalten, z. B. im Krankenhaus, weniger umfassend ausfallen können, als bei konstanter Betreuung über längere Zeiträume.

Bei Gesprächen gilt grundsätzlich das Beichtgeheimnis. Unter dessen Respektierung erfolgt jedoch die Dokumentation und Weitergabe von Gesprächsinhalten, die für die ganzheitliche Versorgung relevant sind, in der Patienten- bzw. Bewohnerakte. Fällt das Gespräch unter das Beichtgeheimnis, erfolgt lediglich die Dokumentation, dass ein Gespräch stattgefunden hat, in der Patienten- bzw. Bewohnerakte.

14. Qualitätsmanagement

„Wir überprüfen regelmäßig die Qualität unseres seelsorgerlichen Handelns und arbeiten an Verbesserungen.“
Leitbild Seelsorge

Die Umsetzung des Leitbildes der Seelsorge und dieses Rahmenkonzeptes wird regelmäßig überprüft. Hierfür werden im Betrieb geeignete Instrumente entwickelt. Die Ergebnisse werden dokumentiert, um Schlussfolgerungen abzuleiten und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses tätig zu werden.

Hierzu gehört auch die regelmäßige Erhebung und Auswertung der Erfahrungen von Patienten und Bewohnern, von Angehörigen und Betreuern sowie von Mitarbeitern. Dies kann z. B. im Rahmen von Patienten-/Bewohner- oder Mitarbeiterbefragungen geschehen.

Es wird eruiert, ob und in welchem Maße die seelsorgerlichen Angebote von Patienten und Bewohnern, von Angehörigen und Betreuern und von Mitarbeitern in Anspruch genommen werden und ob Seelsorge als entlastendes Moment empfunden wird. Wenn kein guter Zuspruch erfolgt, werden die Angebote hinterfragt und ggf. Veränderungen eingeleitet.

Ergebnisse qualitätssichernder Maßnahmen werden in geeigneter Form dargestellt und zunächst auf Führungsebene, dann in der Mitarbeiterschaft kommuniziert.

Schlussgedanken
„Leben und Arbeiten in Bethel sollen den biblischen Grundaussagen über den Menschen und über den Dienst am Menschen entsprechen.“

Leitungs- und Führungsgrundsätze Diakoniewerk Bethel

Mit dieser Richtlinie „Arbeiten in christlicher Verantwortung“ gibt der Vorstand des Diakoniewerkes Bethel, seinen Betrieben eine Anleitung an die Hand, die zum Besten der uns anvertrauten Menschen angewandt werden möge.

Berlin, den 27. März 2012

Vorstand